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Mogelpackung Biosprit

(26.02.2008)

Mit Biosprit das Klima retten - eine schöne Illusion

Wie der Chefredakteur in der aktuellen Ausgabe von "fairkehr", der Mitgliederzeitschrift des Verkehrsclub Deutschland (VCD), Michael Adler, schreibt, handelt es sich bei der gesetzlich vorgeschriebenen Beimischung von Biosprit zum herkömmlichen Treibstoff um eine skandalöse Mogelpackung. Einen positiven Klimaeffekt schließt Adler nach jetzigen wissenschaftliche Erkenntnissen aus.

Der Chefredakteur von "fairkehr" stützt sich dabei auf eine Stellungnahme des Nobelpreisträgers Paut Crutzen vom Max-Planck-Institut in Mainz. Der habe herausgefunden, dass der Dünger für Mais und Raps bis zu fünfmal mehr Lachgas freisetzt, als bisher angenommen. Das allein mache Biodiesel klimaschädlicher als normalen Sprit.

Das zweite Problem erwachse aus der Notwendigkeit, den riesigen Bedarf über neue Anbauflächen in der Dritten Welt zu decken. Das Gros der Ethanolweltproduktion stamme derzeit noch aus brasilianischer Soja- und Zuckerrohrernte. Sehr zu Lasten des amazonischen Regenwaldes. Indonesien hole allerdings mit Palmölprodukten stark auf. Dafür holze die indonesische Regierung auf Sumatra pro Stunde rund 500 Fußballfelder Torfwald ab.

Greenpeace warne, so Adler, lautstark vor der Zerstörung dieser 10.000 Jahre alten Ökosysteme. Durch Abholzen und Trockenlegen der Moor-Torfböden werde ein Vielfaches dessen an CO2 frei, was durch die sogenannte Biospritbeimischung eingespart werden solle. Die Umweltorganisation "Nature Conservancy" habe errechnet, dass man auf diesen Rodungen 423 Jahre Ölpalmen für Biosprit anbauen müsste, um auch nur den von der Rodung verursachten Kohlendioxidausstoß wieder zu kompensieren. Von einem unmittelbaren positiven Klimaeffekt könne also überhaupt nicht die Rede sein.

Offenbar - so Adler - handele es sich um "ein riesengroßes Täuschungsmanöver" von deutscher Politik und Automobilindustrie, inszeniert auf EU-Ebene durch den deutschen Industriekommissar Günther Verheugen um Aktivitäten zum Klimaschutz vorweisen zu können, ohne die tatsächlich wirksame Maßnahme, nämlich die Reduzierung des Verbrauchs ernsthaft in Angriff nehmen zu müssen.

Die eigentlich notwendige drastische Verbrauchsreduzierung ist mit der derzeitigen Modellpalette der deutschen Automobilindustrie und ohne ein generelles Tempolimit eben nicht zu haben. Welcher Politiker aber würde sich denn ernsthaft trauen, den Deutschen ihr liebstes Spielzeug und Statussymbol und die "Spielwiese" dafür wegzunehmen?

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