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Bio-Äpfel aus Übersee?
(27.12.2007)
Im Zweifel doch lieber vom Bodensee
Selbst der Autor einer Studie der Uni Bonn, die bisher eigentlich immer so zitiert wurde, als sei die Ökobilanz von Bio-Äpfeln aus Übersee kaum schlechter als die heimische Produktion, votiert im Zweifel für den heimischen Apfel, berichtet die Fachzeitschrift BioHandel.
Bioäpfel aus Übersee sind auch verstärkt in Deutschland zu finden. Die Wissenschaft geht seit längerem der Frage nach, ob der lange Transport dieser Südfrüchte generell ökologisch sinnvoll ist und sucht nach Kriterien für eine objektive Beurteilung und Einschätzung. Dies geschieht im Rahmen der Lebenszyklusforschung (engl. LCA oder Life Cycle Assessment) u.a. mit Hilfe des Primärenergieaufwandes (mit Joule als Einheit für die Energie), das heißt des Anteils nicht erneuerbarer Energie zur Bereitstellung zum Beispiel eines Apfels auf dem Tisch eines - in diesem Fall - deutschen Verbrauchers.
33 % mehr Energie für den Überseeapfel
Für den Kühltransport eines (Bio-)Apfels aus Übersee, zum Beispiel Neuseeland oder Südafrika, werden im März 1,4 bis 2,8 MJoule pro kg Früchte ver(sch)wendet, während ein heimischer (Bio-)Apfel für eine kurze Kühllagerung nur 0,8 MJ/kg verbraucht. Das sind bis 33% mehr Energie für den Kühltransport aus Übersee als für die Bereitstellung eines (Bio-)Apfels der gleichen Sorte zum gleichen Zeitpunkt im April. Der Mehrverbrauch widerspricht den internationalen IFOAM-Richtlinien für Bioanbau mit Schonung und Schutz der Ressourcen, während viele Bio-Obstbaubetriebe in Deutschland um ihre Existenz kämpfen und vom Handel zu wenig auf heimische (Bio-)Äpfel zurückgegriffen wird.
Die Einkaufsfahrt verursacht 30 % des Energieaufwands
Interessant sind bei diesen Berechnungen auch der Beitrag des Verbrauchers, der bei seinem Kauf von 1 kg (Bio-)Äpfeln im Schnitt 1,15 MJoule Primärenergie für die Fahrt zum Laden verbrennt. Der Verbraucher kommt damit dem Aufwand für den Kühltransport recht nahe. Und: Er trägt mit 20 bis 30 Prozent einen erheblichen Teil zum gesamten Primärenergieaufwand von 5,4 bis 6,1 MJoule/kg Äpfel bei (in diesen Zahlen ist neben Transport und Kühlung auch der Aufwand für Produktion, Verpackung usw. enthalten).
Auf den Ernte- und Verzehrzeitpunkt kommt es an
Überseeäpfel werden je nach Herkunft im April/Mai geerntet und abhängig vom Beginn der regionalen Saison bis in den September vermarktet. Selbst wenn unser Bodensee-Jonagold in hervorragend knackiger Qualität im Mai das Lager verlässt und nach achtmonatiger Lagerzeit verzehrt wird, ist er unter ganzheitlicher Betrachtungsweise ein ökologisch sinnvolleres Produkt als der relativ frisch geerntete Royal Gala aus Chile.
Lagert dieser Gala erst einmal zwei bis drei Monate in einem Kühlhause in Chile, Holland oder beim Händler, verschlechtert sich seine CO2 –Bilanz mit jedem Lagertag. Wir müssten also, um die Vergleichbarkeit von langzeitgelagerten regionalen Äpfeln mit Überseeware zu objektivieren, neben sämtlichen sonstigen Prozessemissionen den konkreten Konsumzeitpunkt des Apfels berücksichtigen.
Als Ausnahme dennoch eine Bereicherung des Angebots
Wird das Angebot an Lageräpfeln im Sommer dünn, die neue Ernte ist noch nicht verfügbar und der Südtiroler Golden Delicious, der um diese Jahreszeit als einzige europäische Sorte aus alter Ernte noch ausreichend zur Verfügung steht, sagt nicht so richtig zu, kann dennoch ein knackiger Bio-Braeburn aus Neuseeland eine willkommene Bereicherung darstellen, für die man dann kein schlechtes Gewissen als Verbraucher entwickeln muss.
Diese Einschätzungen stammen einerseits von einem der Autoren der Bonner Studie, Dr. Michael Blanke von der Universität Bonn, und von Dipl.-Ing.agrar Norbert Müller-Kluge, der beim Regionalgroßhändler paxan für den Obst – und Gemüseeinkauf zuständig ist.
Quelle: BioHandel, Fachmagazin für die Naturkostbranche



