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Bundesumweltminister Gabriel fordert die "dritte industrielle Revolution"

(02.11.2006)

Handlungsdruck für eine ökologische Industriepolitik

Düstere Prognosen bis hin zu einer neuen Weltwirtschaftskrise, die der britische Chefökonom Nicholas Stern jetzt veröffentlichte, veranlassen Bundesumweltminister Gabriel, zu einer "dritten industriellen, nämlich ökologischen Revolution" aufzurufen. In einer umfassenden volkswirtschaftlichen Analyse hatte Stern, die jährlichen Kosten für Klimaschutzmaßnahmen auf ein Prozent des globalen Sozialprodukts beziffert. Die Kosten bei Nichthandeln dagegen veranschlagt er auf fünf- bis zwanzigmal höher.

Der renommierte frühere Chefökonom der Weltbank und der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung überraschte damit Ende Oktober Politiker, Wirtschaftsbosse und die internationalen Umweltschutzorganisationen. WWF-Klimaexpertin Regine Günther, sagte beispielsweise der Frankfurter Rundschau: "Das ist eine Aufforderung an die Politik, endlich mit dem Klimaschutz ernst zu machen, weil dieser nicht nur ein ökologisches, sondern ein massives ökonomisches Problem ist. Alles Finanzminister müssen da aufhorchen." Gewohnt respektlos und satirisch titelte die Berliner Tageszeitung: "Dem internationalen Kapital wird´s zu heiß!"

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) nahm den Stern-Bericht zum Anlass, auf einer Innovationskonferenz seines Hauses eine "dritte industrielle Revolution zu fordern. Andernfalls sei mit einer wachsenden Zahl wirtschaftlicher und vermutlich auch militärischer Konflikte um Rohstoffe zu rechnen. "Umwelt- und Klimapolitik", so Gabriel, "wird zur Wirtschaftspolitik und ist längst auch zur globalen sozialen Frage geworden."


Gabriel sprach sich dafür aus, dass der Staat Vorreitermärkte schaffen und die Entwicklung stimulieren müsse. Der Staat solle sich als Pionier betätigen, da der Markt allein ganz offensichtlich der Herausforderung nicht gewachsen sei. Es gehe hier um viele tausend Milliarden Euro und um die europäischen Leitmärkte, die das 21. Jahrhundert entscheiden prägen würden, so Gabriel. "Wenn China zur ´Werkbank der Welt´ und Rußland zur ´Zapfsäule der Welt´ wird, wenn Indien sich zum ´globalen Dienstleister´ entwickelt und Brasilien als ´Rohstofflager´ und ´globaler Farmer´ die Industrie- und Dienstleistungsgesellschaften Asiens versorgt", dann - so Gabriel - müsse auch Deutschland seine Rolle neu bestimmen und sich als verantwortungsvoller ´Engergieeffizienz- und Umwelttechniker´ in der globalen Arbeitsteilung etablieren. Der Bundesumweltminister zeigte sich überzeugt, dass es nur so gelingen werde, Wohlstand und Beschäftigung ebenso zu sichern, wie die natürlichen Lebensgrundlagen für unsere Kindern und Enkelkinder.

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