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Lebensmittelüberprüfung 2007: Gefährliche Pflanzenschutzmittelrückstände entdeckt
(15.10.2008)
Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) fordert von Handel und Erzeugern Reduzierung der Rückstände
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)legte jetzt in Berlin die Ergebnisse des Lebensmittelmonitorings 2007 vor. Dabei wurden erneut Überschreitungen der gesetzlichen Höchstmengen für Pflanzenschutzmittelrückstände vor allem bei Obst und Gemüse festgestellt.
Das Lebensmittel-Monitoring ermöglicht einen repräsentativen Überblick der Belastung ausgewählter Lebensmittel mit unerwünschten Stoffen, wie Schwermetalle, langlebige Organochlorverbindungen, Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen (Mykotoxine), Nitrat und anderen Kontaminanten sowie Rückstände von Pflanzenschutz- und Tierarzneimitteln. Der Bericht wird jährlich auf der Grundlage von Daten der Bundesländer vom BVL erstellt.
Bei einigen Proben von Kopfsalat, Grünkohl, Austernseitlingen und Tomaten habe die Belastung laut BVL so hoch gelegen, dass bei einmaligem Verzehr gesundheitliche Beeinträchtigungen nicht auszuschließen gewesen seien. „Die Anstrengungen des Handels und der Erzeuger zur Reduzierung der Rückstände von Pflanzenschutzmitteln reichen bei einigen Obst- und Gemüsearten offenbar nicht aus“, kritisierte der Leiter des BVL, Dr. Helmut Tschiersky-Schöneburg.
Dagegen konnten die Gehalte des Schimmelpilzgifts Aflatoxin in Pistazien, die auf den deutschen Markt gelangen, durch intensive Kontrollen an den Außengrenzen der EU auf ein Fünfzigstel gegenüber 1999 verringert werden.
Auch Rindfleisch, Roggen, Honig, Räucherspeck, Römischer Salat, Porree, Radieschen, Rettich, Nektarinen und Bier seien im Jahr 2007 nur geringfügig mit unerwünschten Stoffen belastet gewesen.
Von Handel und Erzeugern fordert der BVL eine deutliche Intensivierung ihrer Anstrengungen zur Verringerung der Rückstandsgehalte von Pflanzenschutzmitteln und Nitrat bei Kopfsalat. Bei 9,5 % der Proben überschritten die Gehalte von Pflanzenschutzmittelrückständen und bei 23 % die Nitratgehalte die zulässigen Höchstmengen. Rückstände mehrerer Pflanzenschutzmittelwirkstoffe seien in 79 % des Kopfsalats und 72 % des Römischen Salats gefunden worden.
Tomaten besser aber nicht gut genug
Bei Tomaten habe sich laut BVL-Untersuchungen der Anteil der Höchstmengenüberschreitungen bei Pflanzenschutzmittelrückständen von 4,7 % im Jahr 2005 auf 1,5 % im Vorjahr. Das sei erfreulich. Jedoch seien in etwa der Hälfte der untersuchten Tomaten mehrere Rückstände nachweisbar gewesen. Da Tomaten häufig verzehrt würden, sollten Erzeuger und Handel ihre Anstrengungen intensivieren, den hohen Anteil von Mehrfachrückständen herabzusetzen, forderte der BVL.
Äpfel eher unauffällig
Mit 7,3 % habe sich bei Äpfeln der Anteil mit Höchstmengenüberschreitungen bei Pflanzenschutzmittelrückständen im Vergleich zu 2004 halbiert. Knapp ein Fünftel aller Proben habe laut BVL fünf und mehr Rückstände enthalten. Deutsche Äpfel hätten häufiger Rückstände von Pflanzenschutzmitteln aufgewiesen, die zulässigen Höchstmengen (2,9 %) seien aber seltener überschritten worden als beispielsweise in südamerikanischen Äpfeln (17 %). Äpfel seien eher gering mit Schwermetallen kontaminiert gewesen.
Kohl besonders problematisch
Rund jede fünfte Grünkohlprobe (20 %) und rund jede siebte Wirsingkohlprobe (14,3 %) habe - so der BVL - Rückstandsgehalte von Pflanzenschutzmitteln über den zulässigen Höchstmengen aufgewiesen. Bei Spitzkohl sei dies bei 2,1 % der Proben der Fall gewesen. Da häufig Pflanzenschutzmittelwirkstoffe nachgewiesen worden seien, die für Grünkohl nicht zulässig sind, forderte der BVL bei diesem Gemüse verstärkte Kontrollen. Spitzkohl sei mit relativ hohen Nitratgehalten aufgefallen.
Kupfergehalte in Öko-Lebensmitteln unauffällig
Als Wirkstoff in Fungiziden wird Kupfer traditionell im ökologischen Landbau verwendet. Dieser Einsatz ist durch die gesetzlichen Regelungen zum ökologischen Landbau zugelassen. Durch die Beprobung im Rahmen dieses Monitoring-Projektes sollte gezielt die Abschätzung einer eventuell gesteigerten Aufnahme von Kupfer durch ökologisch erzeugte Lebensmittel überprüft werden. Bei der Auswahl der Lebensmittel wurde die Kartoffel als ein Wurzel- und Knollengemüse und der Apfel als ein pflanzliches Lebensmittel mit einem oberirdischen verzehrsfähigen Anteil gewählt. Für beide sprechen die hohe Verzehrsmenge, die ganzjährige Verfügbarkeit sowie der relativ hohe Öko-Anteil auch aus inländischem Anbau.
Die Untersuchungen hätten laut BVL ergeben, dass die ermittelten Kupfergehalte zu 90 % im Bereich der jeweiligen natürlichen Gehalte liegen. Ein Zusammenhang zwischen der Verwendung von kupferhaltigen Fungiziden und einem erhöhtem Gehalt an Kupfer sei nicht erkennbar gewesen.
Der BVL zog daher das Fazit, dass die Verwendung von kupferhaltigen Fungiziden zu keinem erhöhten Gehalt an Kupfer in Öko-Lebensmitteln geführt habe.
Paprikapulver erhöht kontaminiert
Mit einem Anteil von 14 % der Proben mit Überschreitungen der zulässigen Höchstmengen für Pflanzenschutzmittelrückstände stellte der BVL bei Paprikapulver eine erhöhte Kontaminatiion fest.
Fast jede Probe habe Rückstände enthalten und in 40 % der Proben seien 5 und mehr Rückstände nachweisbar gewesen. Die Belastung mit Aflatoxinen sei zwar gering. Seien jedoch Mykotoxine nachgewiesen worden, seien die Konzentrationen hoch gewesen. Aufgrund der sehr
geringen Verzehrsmenge von Paprikapulver stuft der BVL die Gefahr, die durch die enthaltenen Pflanzenschutzmittelrückstände, Mykotoxine
und Schwermetalle als eher gering ein. Dennoch sollten sich Verbraucher fragen, ob nicht gerade bei einem solchen Produkt bzw. bei Gewürzen generell angesichts des geringen Verbrauchs und der dadurch geringfügig höheren Kosten der vorbeugende Kauf eines Öko-Produktes sinnvoll wäre.
Bio-Qualität schützt vor Rückständen
Angesichts der immer noch hohen Belastung mit Pflanzenschutzrückständen bei einzelnen Lebensmitteln empfiehlt sich der verstärkte Kauf von Bio-Qualität. Dies gilt insbesondere, da diese Kontaminationen durch die Untersuchungen dem Verbraucher ja erst im Nachhinein bekannt werden und er sie so nicht vermeiden kann. Wer gerne, was ja gesund ist und empfohlen wird, knackigen Salat oder deftigen Grünkohl ist, sollte sich überlegen, ob der Preisaufschlag für Bio-Qualität nicht eine sinnvolle Investition in die eigene Gesundheit darstellt.



