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Kupfer als Pflanzenschutzmittel im Ökolandbau.

(07.11.2008)

ARD-Magazin Plusminus berichtete

Das ARD-Magazin Plusminus berichtete kritisch über den Einsatz von Kupfer als Pflanzenschutzmittel im Ökolandbau. Da es sich um ein Schwermetall handelt, das im Boden nicht abgebaut wird, steht seine Anwendung auch in anderen aktuellen Medienberichten in der Kritik. Der Bund ökologische Lebensmittelwirtschaft möchte daher mit einigen Informationen zur Versachlichung der Debatte beitragen.

BÖLW-Fachreferent Peter Röhrig nimmt zur Kupferproblematik wie folgt Stellung:

"Kupfer wird im Ökologischen Landbau zur Bekämpfung des falschen Mehltaus im Hopfen-, Wein-, Obst- und zum Teil im Gemüseanbau eingesetzt. Vor allem bei Hopfen, Wein und einigen Obstkulturen ist seine Anwendung derzeit alternativlos, sollen totale Ernteausfällen vermieden werden.

Kupfer ist auch Nährstoff

Kupfer ist nicht nur ein Schwermetall, sondern auch für Pflanzen und Menschen ein notwendiger Mikronährstoff. Es kommt daher auch natürlich in der Umwelt vor und ist anders als andere Schwermetalle nicht per se ein unerwünschtes Gift. In Mangelsituationen muss Kupfer sogar gedüngt werden.

Bisher keine negativen Auswirkungen auf Mensch und Natur nachgewiesen

Für den Menschen besteht durch die Anwendung im Pflanzenbau keinerlei Nachteil. Dennoch gibt es den Verdacht, dass sich Kupfer im Boden anreichern kann und in zu hoher Konzentration auf bestimmte Organismen giftig wirkt. Diese Annahmen beruhen bislang jedoch auf Modellen. Der BÖLW fordert daher Studien, die die Kupferwirkung auf den Feldern erfassen.

Ziel des Ökologischen Landbaus ist es, negative Wirkungen der Kupferanwendung zu vermeiden. Deshalb wird in Forschung und Praxis seit Jahren mit Erfolg daran gearbeitet, die Aufwandmengen drastisch zu reduzieren. Ideales Ziel wäre eine Aufwandmenge zu erreichen, die dem Entzug durch die Pflanzen entspricht. Bei Hopfen, der dem Boden viel Kupfer entzieht und bei Kartoffeln, die sich mit anderen Kulturen abwechseln, ist dieses Ziel realistisch. Die ökologischen Anbauverbände in Deutschland erlauben derzeit eine Aufwandmenge von 3 bzw. 4 kg bei Hopfen
pro Hektar und Jahr. Das bedeutet eine Verringerung um bis zum Zwanzigfachen im Vergleich zu anfänglichen Aufwandmengen. Gleichzeitig wird an Alternativen zur Kupferanwendung geforscht.

BÖLW fordert höhere Forschungsleistung

Allerdings wäre für einen schnelleren Erfolg eine deutlich höhere Forschungsförderung notwendig. Kern des Pflanzenschutzes im Ökologischen Landbau ist der vorbeugende Pflanzenschutz. Nur in unabwendbaren Schadensfällen arbeitet er mit Pflanzenschutzmitteln. Dabei handelt es sich aber um keine themisch-synthetischen Präparate, sondern um natürlich vorkommende Stoffe oder Pflanzenextrakte. Als natürlich vorkommender Mikronährstoff und Pflanzenschutzstoff wird Kupfer seit über hundert Jahren eingesetzt.

Eindeutige Empfehlung für Bio-Produkte

Der Verzicht auf Kupfer würde derzeit für viele ökologische Kulturen und Öko-Betriebe das ´Aus´ bedeuten und die Rückumstellung auf konventionellen Landbau – der im Übrigen ebenfalls Kupfer einsetzt – herbeiführen. Mögliche negative Wirkungen des Kupfereinsatzes müssen daher in Zusammenhang einer Gesamtbilanz der Umweltwirkungen beider Systeme betrachtet werden.

Diese Bilanz fällt nach wie vor eindeutig positiv für den Ökologischen Landbau aus. Die Verbraucher machen daher alles richtig, wenn sie nicht nur ihrer Gesundheit, sondern auch der Umwelt zuliebe weiterhin Bio-Produkte kaufen."

Soweit die Stellungnahme des BÖLW.

Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) gibt Entwarnung zu Kupfer

Bezüglich einer befürchteten Anreicherung von Kupfer in den damit behandelten Öko-Lebensmitteln hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) kürzlich Entwarnung gegeben. Der BVL stellt klar, dass der Einsatz von Kupfer als Pflanzenschutzmittel durch die gesetzlichen Regelungen zum ökologischen Landbau zugelassen ist. Durch die Beprobung im Rahmen des Monitoring-Projektes des BVL sollte gezielt die Abschätzung einer eventuell gesteigerten Aufnahme von Kupfer durch ökologisch erzeugte Lebensmittel überprüft werden. Bei der Auswahl der Lebensmittel wurde die Kartoffel als ein Wurzel- und Knollengemüse und der Apfel als ein pflanzliches Lebensmittel mit einem oberirdischen verzehrsfähigen Anteil gewählt. Für beide sprechen die hohe Verzehrsmenge, die ganzjährige Verfügbarkeit sowie der relativ hohe Öko-Anteil auch aus inländischem Anbau.

Die Untersuchungen hätten laut BVL ergeben, dass die ermittelten Kupfergehalte zu 90 % im Bereich der jeweiligen natürlichen Gehalte liegen. Ein Zusammenhang zwischen der Verwendung von kupferhaltigen Fungiziden und einem erhöhtem Gehalt an Kupfer sei nicht erkennbar gewesen.

Der BVL zog daher das Fazit, dass die Verwendung von kupferhaltigen Fungiziden zu keinem erhöhten Gehalt an Kupfer in Öko-Lebensmitteln geführt habe.

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