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Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) zur Welternährungsfrage:

(15.10.2008)

Ökologischer Landbau kann Wegweiser zur Sicherung der Welternährung sein

"Das Jahr 2008 steht im Zeichen massiv gestiegener Lebensmittelpreise und knapper -vorräte sowie einer abermals gewachsenen Anzahl von Hungernden in der Welt. „Im Zentrum der Debatte muss jetzt stehen, welche Konzepte geeignet sind, um diesen Herausforderungen zu begegnen"“, sagte Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorstandsvorsitzender des BÖLW, anlässlich des heutigen Welternährungstages. Die Berliner Tageszeitung (taz) brachte es so auf den Punkt: "Die Welthungerhilfe fordert ein Rettungspaket. Mit 10 Milliarden Euro pro Jahr wäre es viel billiger als die jüngst beschlossenen Bankenpakete."

Die Zahl der Hungernden weltweit steigt drastisch. Nach jahrelanger Stagnation nimmt der Hunger auf der Welt dramatisch zu. Wie die Deutsche Welthungerhilfe gestern anlässlich der Präsentation ihres "Welthungerindex 2008" erklärte, ist die Zahl der Hungernden letztes Jahr im Vergleich zu 2005 um knapp zehn Prozent gestiegen, von 848 auf 923 Millionen Menschen. Das ist ein historischer Höchststand.

Von einer "Schande für die Menschheit" sprach Ingeborg Schäuble, Vorstandsvorsitzende der Welthungerhilfe. "Die Welt braucht ein Rettungspaket gegen den Welthunger." Sie will zehn Milliarden Euro mehr im Jahr für die Landwirtschaft in armen Ländern.

Nach Auffasung der UN-Agrarorganisation FAO wäre die weltweite Beseitigung des Hungers um ein Vielfaches billiger als die Rettungspakete der USA und EU für ihre Banken. "Den Hunger zu beenden ist eine politische Entscheidung, und der Beweis dafür ist, dass der Bankenrettungsplan, der in Washington in Rekordzeit vorgelegt wurde, das 20fache kostet", sagte José Graziano, Lateinamerika-Direktor der FAO.

Schuld am Hungerwachstum ist vor allem die Inflation. Die globalen Lebensmittelpreise stiegen laut FAO zwischen 2007 und 2008 um 52 Prozent. Bereits im Juni musste das UN-Welternährungsprogramm WFP deswegen seine Hilfsrationen für Flüchtlingslager halbieren. Zugesagte Hilfen bleiben aus: Beim Welternährungsgipfel der FAO im Juni wurde den besonders von der Lebensmittelkrise betroffenen Ländern 12,3 Milliarden Dollar versprochen; davon sind bisher nur knapp über eine Milliarde ausgezahlt worden, rechnete die Organisation Oxfam vor.

Bio-Anbau kann Ausweg bieten

Der Ghanaer James Benjamin Cole hat geschafft, wovon Millionen Kleinbauern in Afrika träumen: Er hat seinen Familienbauernhof zu einem erfolgreichen Agrarunternehmen ausgebaut, das biologische Ananas, Papayas und Mangos produziert.

Was ist Farmer Coles Geheimnis? "In Europa sah ich das wachsende Interesse an biologischen Produkten", sagt Cole. "Ich war besorgt über die soziale Situation in meiner Heimat und sah gleichzeitig die Möglichkeiten, die der Exportmarkt für biologische Produkte bot."

Coles Familienbetrieb Eloc-Farms arbeitet eng mit einem Kleinbauernverband zusammen. Eloc-Farms übernimmt den Export und schult die Bauern. "Wir nutzen unsere traditionelle Wirtschaftsweise und verbessern sie mit kommerziell sinnvollen biologischen Methoden. Das Ergebnis sind unsere ersten zertifizierten biologischen Ananas", freut sich Cole.

Eine "grüne Revolution", mit Hightech-Saatgut, Düngern und neuen Anbaumethoden, wie sie die von der Rockefeller- und der Bill-Gates-Stiftung ins Leben gerufene "Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika" (AGRA) fordert, sei nicht der richtige Weg, meint Cole. Das würde Afrika zum Absatzmarkt für die internationalen Agrarchemiekonzerne machen und Bauern ihre Existenz rauben.

Weltagrarbericht stützt die Forderung nach Bio-Anbau

Wie der BÖLW mutmaßt, fordern die Verfechter der Agro-Industrie aus durchsichtigen Motiven nun eine rasche Industrialisierung der Landwirtschaft weltweit. Demgegenüber habe der Weltagrarbericht, Ergebnis einer umfassenden wissenschaftlichen Untersuchung, in diesem Frühjahr unmissverständlich verdeutlicht: Die industrialisierte, Input-intensive Landwirtschaft kann die Probleme nicht lösen. Im Gegenteil: Für Kleinbauern und Umwelt hat sie z.T. massive negative Folgen. Stattdessen fordert er eine lokale, angepasste, vom Zukauf externer Betriebsmittel unabhängige Landwirtschaft als Basis einer nachhaltigen Ernährungssicherung. Der Ökologische Landbau erfülle diese Kriterien bestens.

Bio macht die Kleinbauern unabhängig und nutzt deren natürliche Ressourcen

"Die Menschen in den Ländern der Dritten Welt müssen in die Lage versetzt werden, aus eigener Kraft, mit eigenen Ressourcen Lebensmittel zu erzeugen, ohne sich gegenüber ihren Vorlieferanten weiter zu verschulden“", führt BÖLW-Vorstand Löwenstein aus. Die „Entsorgung“ der Überproduktion aus den Industrieländern zu Dumpingpreisen auf den Märkten der Entwicklungsländer einerseits und die Verschuldung der Kleinbauern bei den Lieferanten von Betriebsmitteln andererseits hätten deren Fähigkeit vernichtet, sich selbst ausreichend zu ernähren.

BÖLW-Vorstandsvorsitzender Dr. Felix Prinz zu Löwenstein

„Es brauche, so Löwenstein, deshalb ein System der Landwirtschaft, das möglichst wenig Kapital einsetzt und erfolgreich die Eigenkräfte der Natur nutzt. Auf diese Weise würden obendrein die endlichen Ressourcen geschont und Belastungen von Umwelt und menschlicher Gesundheit vermieden“, analysiert Löwenstein. „Der Ökologische Landbau hat sich seit Jahrzehnten als ein solches System bewährt. Er müsse deshalb als Pfad zur Sicherung der Welternährung für künftige Generationen weiter entwickelt werden.“ Löwenstein fordert daher verstärkte Forschungsanstrengungen für den Öko-Landbau, „anstatt weitere Millionen in die untauglichen Konzepte der Agro-Gentechnik zu versenken!“


Jahrestagung des BÖLW zum Thema

Kann Bio die Welt ernähren?“ fragt auch die Jahrestagung des BÖLW am 23. Oktober in Berlin. Hochkarätige Redner zeigen den Stand des Wissens auf; Praxisbeispiele aus verschiedenen Weltregionen veranschaulichen die Potenziale der Ökologischen Landwirtschaft. Abschließend diskutiert eine Expertenrunde Bewältigungsstrategien für die zentralen Herausforderungen der Ernährungssicherung. Wollen Sie teilnehmen? Anmeldung unter:

Anmdeldeformular

Weiter lesen zum Thema:

taz

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