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Mit den Bienen stirbt die Nahrungsvielfalt
(31.10.2006)
Wichtige Kulturpflanzen verkümmern ohne Tierbestäubung
Ein Forscherteam um die Göttinger Agrarökologin Dr. Alexandra-Maria Klein hat jetzt mit einer umfangreichen Studie herausgefunden: 87 der 115 untersuchten Obst-, Gemüse, Gewürz-, Öl- und Genusspflanzen profitieren maßgeblich von Bestäubern, zumeist Bienen und Hummeln. Deren Existenz jedoch geht weltweit durch intensive Landwirtschaft und mangelnde Landschaftspflege zurück.
Wie die Universität Göttingen mitteilt, betrifft dies mehr als 35 Prozent der Kulturpflanzenproduktion. Bei den meisten dieser Pflanzen führt Tierbestäubung zu Produktionssteigerungen von fünf bis zu 50 Prozent. „Ohne die Bestäubung durch Insekten wäre die Vielfalt menschlicher Nahrung nicht gewährleistet, auch wenn die Erzeugung von Grundnahrungsmitteln wie Weizen, Reis und Mais davon nicht abhängig ist“, so Dr. Klein.
Auf welche Weise sich die Zerstörung naturnaher Lebensräume und die Intensivierung der Landwirtschaft auf das Vorkommen wildlebender Bienen, Hummeln und anderer Insektenbestäuber auswirkt, konnte das Wissenschaftlerteam anhand von verschiedenen Studien zeigen: Sie wurden exemplarisch an neun Kulturpflanzen auf vier Kontinenten durchgeführt.
Die Ergebnisse der Göttinger Studie werden jetzt in einem Übersichtsartikel in den „Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences“ vorgestellt, nachdem in einer in der Zeitschrift „Science“ veröffentlichten Studie der parallele Rückgang von Wildbienen und den von ihnen bestäubten Wildpflanzen nachgewiesen werden konnte.
Die Wissenschaftler fordern als Konsequenz ihrer Forschungsergebnisse eine naturnahe Gestaltung von Kultur- und Agrarlandschaften. Um wichtige Ökosystemleistungen, zu denen auch die
Prof. Dr. Teja Tscharntke, Direktor des Fachgebiets Agrarökologie der Georg-August-Universität Göttingen
Bestäubung von Pflanzen gehört, langfristig zu erhalten, ist nach den Worten von Prof. Dr. Teja Tscharntke eine ganzheitliche Perspektive erforderlich. „Eine große Artenvielfalt von Bestäubern kann nicht allein durch Maßnahmen auf den Feldern oder in landwirtschaftlichen Betrieben gewährleistet werden. Wir brauchen vielmehr komplexe Kulturlandschaften, die sorgfältig für eine Vielzahl funktionell wichtiger Organismengruppen bewirtschaftet werden. Nur auf diese Weise lassen sich die für den Menschen
wichtigen ,Dienstleistungen‘ des Ökosystems, wie zum Beispiel die Insektenbestäubung oder die biologische Schädlingskontrolle nachhaltig sichern“, betont der Wissenschaftler.
Ökologische Landwirtschaft und Bioeinkauf bedeuten daher auch eine Zukunftssicherung für unsere Nahrungs- und Landschaftsvielfalt.



