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Erstmals Anbau von Gentec-Weizen in Deutschland
(28.11.2006)
Brau- und Malzwirtschaft fürchtet unabsehbare Folgen
Das Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung darf erstmals in Deutschland gentechnisch veränderten Weizen anbauen. Die Folgen sowohl für die Landwirtschaft als auch für die gesamte Brau- und Malzwirtschaft könnten verheerend sein, fürchtet die Brau- und Malzwirtschaft, allen voran die Bio-Brauerei Lammsbräu.
Nachdem bereits im April dieses Jahres von der Universität Gießen ein Freilandversuch mit gentechnisch veränderter Gerste erfolgt ist, hat nun das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit die Freisetzung von getechnisch verändertem Weizen genehmigt. Damit wird nun - nur ein halbes Jahr später - ein zweiter wichtiger Braurohstoff von der Gentechnik gefährdet, wie die mittelständische Brauwirtschaft beklagt.
„Mit dieser Genehmigung ist der nächste Schritt zum Gen-Tech-Bier erfolgt – und das, obwohl Landwirte, Brauer und Verbraucher sich bereits jetzt massiv gegen Gentechnik stellen“, so Dr. Franz Ehrnsperger, Inhaber der Neumarkter Lammsbräu und Biobrauer der ersten Stunde. Aber nicht nur das Kulturgetränk Bier sei gefährdet. Jetzt habe die Gentech-Industrie auch das Brot im Visier.
Brauer-Kampagne gegen Gentechnik im Bier
Um der Forderung nach Beibehaltung eines reinen, gentechnikfreien Bieres Nachdruck zu verleihen, weitet die Bio-Brauerei Neumarkter Lammsbräu mit zwei weiteren mittelständischen Brauereien (Brauhaus Riegele, Augsburg sowie Stralsunder Brauerei) ihre im September begonnene Kampagne gegen Gentechnik aus. In diesen Tagen werden alle rund 1200 Brauereien in Deutschland angeschrieben, um sich einem Manifest zum Erhalt des Reinheitsgebotes und gegen die Gentechnik anzuschließen. Ziel dieser Kampagne sei, so Lammsbräu-Chef Ehresperger, das deutsche Bier vor der Gentechnik zu schützen. Bislang lasse das Reinheitsgebot grundsätzlich die Gentechnik zu, da nichts über die Art und Weise der Rohstoffherstellung im Gesetz geregelt sei. Das Argument der vom Gesetzgeber vorgesehenen Deklarationspflicht greife nicht, da in einem solchen Falle nur noch die Bestätigung eines nicht mehr umkehrbaren Zustandes, d.h. einer durch die Gentechnik kontaminierten Brauwirtschaft, zementiert werde. Deshalb solle der im Biergesetz verankerte Gesetzestext so verändert werden, dass ein für allemal der Gentechnik im deutschen Brauwesen ein Riegel vorgeschoben werde.
Hohe Kosten für Kontrollen der Rohstoffe
Die Neumarkter Lammsbräu verpflichte bereits jetzt alle ihre Lieferanten, so Marketingchef Berthold Winkler, jeden Rohstoff auf die nicht erfolgte Belastung durch gentechnisch veränderte Organismen zu prüfen. Darüber hinaus führe die Brauerei eigene Untersuchungen bei allen Rohstoffen und Chargen durch. Dadurch entstünden der mittelständischen Brauerei weitere Kosten im ohnehin extrem wettbewerbsintensiven Biermarkt.



