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neues einheitliches Logo "Ohne Gentechnik"

(10.08.2009)

BUND, Greenpeace und Bioland begrüßen einheitliches Logo „ohne Gentechnik“

Die beiden Umweltschutzorganisationen Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und Greenpeace begrüßten das jetzt von Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner vorgestellte offizielle „ohne Gentechnik“- Siegel (ein grünes Quadrat mit stilisierter Pflanze und Aufschrift "ohne Gentechnik"), fordern jedoch eine Informationskampagne des Ministeriums, um es bekannter zu machen. Auch der größte deutsche Bio-Anbauverband "Bioland" stimmt zu: Die meisten Verbraucher lehnten gentechnisch veränderte Futter- und Lebensmittel ab. Umso mehr begrüße Bioland die heutige Vorstellung des neuen Logos. Auch die Verbraucherzentralen begrüßten das neue Logo als sinnvolle Orientierungshilfe für den gentechnikfreien Einkauf.

„Die Kennzeichnung ‚ohne Gentechnik’ ist ein wichtiger Beitrag für die Wahlfreiheit der Verbraucher. Sie können sich jetzt bewusst für oder gegen den Einsatz gentechnisch veränderter Futtermittel entscheiden“, begrüßte Thomas Dosch, Präsident von Bioland die Entscheidung. Mit dem einheitlichen Logo können Hersteller und Handel nun eine klare Gentechnik-Kennzeichnung tierischer Lebensmittel vornehmen und sich entsprechend am Markt profilieren.

„Da Biolebensmittel per se ohne Gentechnik hergestellt werden, benötigt die Bio-Branche kein zusätzliches Label“, erklärt Dosch. Trotzdem hat die gesamte Bio-Branche ein großes Interesse daran, dass die konventionelle Ernährungsbranche das Logo breit nutzt. „Jeder konventionell wirtschaftende Bauer, der auf dem Acker aber auch beim Zukauffutter ohne Gentechnik wirtschaftet, verringert das Risiko der Kontamination von Biolebensmitteln, so Dosch und ergänzt: „Das entschärft die Koexistenzproblematik auf unseren Feldern und erleichtert die Kooperation der Betriebe in den Dörfern - egal ob sie bio oder konventionell wirtschaften.“

Die meisten Verbraucher lehnen gentechnisch veränderte Futter- und Lebensmittel ab. Aufgrund einer unzureichenden Kennzeichnungspflicht tierischer Lebensmittel auf EU-Ebene konsumieren jedoch viele von ihnen gegen ihren Willen tierische Grundnahrungsmittel wie Milch, Eier und Fleisch, bei deren Erzeugung gentechnisch veränderte Futterpflanzen verwendet werden. Das jetzt vorgeschlagene Logo bietet Herstellern und Handel auf freiwilliger Ebene die Möglichkeit, die Lebensmittel einheitlich zu kennzeichnen, wenn gentechnisch unveränderte Futterpflanzen eingesetzt wurden.

BUND macht Druck

Der BUND stößt in dasselbe Horn: Das einheitliche Siegel steigere die Wiedererkennbarkeit bei den Verbrauchern und erhöhe den Druck auf Hersteller und Händler, die seit Mai 2008 mögliche Kennzeichnung endlich umfassend einzusetzen. Bisher nutzten nur wenige Händler die freiwillige „ohne Gentechnik“-Kennzeichnung, so etwa Tegut aus Hessen und der Molkereikonzern FrieslandCampina. Campina verzeichnete zuletzt mit den „ohne Gentechnik“-ausgezeichneten Produkten große Umsatzzuwächse.

Hubert Weiger, BUND-Vorsitzender: „Die großen Lebensmittelhändler Edeka, Lidl, Rewe und Aldi müssen ihre Blockade gegen die „ohne Gentechnik“-Kennzeichnung endlich aufgeben. Sonst handeln sie gegen den Willen der überwältigenden Mehrheit der Verbraucher, die keine Gentechnik auf ihren Tellern will. Nur wenn „ohne Gentechnik“ draufsteht, können Verbraucher sicher sein, dass Milch, Fleisch und Eier ohne gentechnisch veränderte Futterpflanzen hergestellt wurden.“


Grund für die Verweigerungshaltung ist nach Ansicht des BUND die Angst der Händler vor Nachfragen ihrer Kunden, wenn auf einem Produkt „ohne Gentechnik“ draufstehe und auf einem vergleichbaren nicht. Deshalb werde das Siegel selbst bei zertifiziert gentechnikfreien Produkten nicht eingesetzt. Beispielsweise produziere Deutschlands zweitgrößter Geflügelproduzent „Gebrüder Stolle“ seit Mai 2009 rund 450 000 Hähnchen pro Woche ohne Gentechnik. Doch nur das Unternehmen Tegut kennzeichne Stolle-Produkte. Andere Abnehmer wie Edeka oder Lidl weigerten sich.


Heike Moldenhauer, BUND-Gentechnikexpertin: „Händler und Hersteller befürchten zu Recht, dass Produkte ohne Kennzeichnung zu Ladenhütern werden. Deshalb muss die Branche umdenken und sich für die ausschließliche Verwendung gentechnikfreier Futtermittel einsetzen. Das wäre ein neuer Qualitätsstandard im deutschen Lebensmittelhandel, von dem die Verbraucher und die Umwelt profitierten.“


Nach einer vom BUND in Auftrag gegebenen Forsa-Umfrage vom April 2009 halten 78 Prozent der Bundesbürger die Positivkennzeichnung „ohne Gentechnik“ für sinnvoll, 73 Prozent würden sich bei ihrer Kaufentscheidung daran orientieren und eher zu so gekennzeichneten Produkten greifen.

Verein wird die Logo-Vergabe regeln

Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums muss sich zunächst noch in der Lebensmittelindustrie ein Verein gründen, der die Vergabe des Logos organisiere. Diese Vereinsgründung stehe zwar zeitnah bevor. Mit dem Verkauf der ersten Lebensmittel mit dem Logo sei aber erst ab dem Herbst zu rechnen. Bereits seit dem vergangenen Jahr können Hersteller ihre Lebensmittel als gentechnikfrei bezeichnen, dafür gab es bislang aber noch keine einheitliche Kennzeichnung. Nach Ministeriumsangaben gibt es bisher etwa 20 Hersteller, die ihre Lebensmittel gentechnikfrei nennen.

foodwacht fordert Negativkennzeichnung

Die Verbraucherschutzorganisation foodwatch begrüßt zwar auch die Auszeichnung gentechnikfreier Produkte mit einem Logo, verlangt aber parallel eine Zwangskennzeichnung aller mit Hilfe von Gentechnik produzierter Lebensmittel. Angesicht der Tatsache, dass die überwältigende Mehrheit der Verbraucher Gentechnik ablehne, hätten die Menschen ein Recht darauf, darüber informiert zu werden, wenn sie unfreiwillig mit Gentechnik in Berührung kämen. Nur so sei eine freie Verbraucherentscheidung gegen gentechnisch produzierte Ware möglich.

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