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Internationaler Tag der biologischen Vielfalt
(14.05.2008)
22. Mai: Biodiversität und Landwirtschaft
Der 22. Mai ist, wie der aid infodienst Verbraucherschutz, Ernährung, Landwirtschaft e. V., Bonn, mitteilt, von den Vereinten Nationen zum Tag der biologischen Vielfalt bestimmt worden. Dieses Jahr steht dieser Tag unter dem Motto "Biodiversität und Landwirtschaft". Damit will die UN sowohl auf die
Bedeutung einer nachhaltigen Landwirtschaft für die Erhaltung der Biodiversität aufmerksam machen als auch auf ihre Bedeutung für die Ernährung der Weltbevölkerung. Die Erhaltung der biologischen Vielfalt bildet die Grundlage zur Erhaltung unserer Ökosysteme.
Der Landwirtschaft komme - so der aid - dabei eine Schlüsselrolle zu. Denn einerseits trage sie durch Anbau und Nutzung zur Erhaltung der biologischen Vielfalt bei, andererseits aber auch zu deren Verlust. Eine nachhaltige Landwirtschaft müsse die vorhandenen Ressourcen Wasser, Boden und Nährstoffe effektiv nutzen und hochwertige Nahrungsmittel erzeugen.
Der UN-Tag der biologischen Vielfalt fällt in diesem Jahr zusammen mit der 9. UN-Vertragsstaatenkonferenz für biologische Vielfalt, die vom 19. bis 30. Mai 2008 in Bonn stattfindet.
Werkzeugkasten Biodiversity
Auf den ersten Blick scheine - so die aid-Wissenschaftler - "Biologische Vielfalt" oder "Biodiversity" ein Thema zu sein, das vor allem Natur- und Pflanzenliebhaber interessiert. Doch wenn Ende Mai Experten aus aller Welt nach Bonn kommen, um an der 9. Vertragsstaatenkonferenz für biologische Vielfalt teilzunehmen, gehe es um mehr: In der Erhaltung der Artenvielfalt auf unserem Planeten liege der Schlüssel zur Lösung vielfältiger Probleme, vor allem der Ernährung der wachsenden Bevölkerung. Die Arten dieser Erde seien, wie die aid-Experten erläutern, vergleichbar mit einem Werkzeugkasten, der allerdings unüberschaubar groß sei. Die Evolution habe im Laufe von Millionen Jahren eine solche Vielzahl von Organismen hervorgebracht, dass jede noch so kleine Lebensraum-Nische besetzt sei. Doch was nütze das? Diese Variationen von Organismen bildeten einen großen genetischen Pool für die Suche nach Resistenzen gegen Pflanzenkrankheiten und nach Gegenspielern (Antagonisten) für Schädlinge. Nematoden, Pilze, Bakterien und Insekten könnten - so die aid-Wissenschaftler - selbst Schädlinge sein oder aber gegen eine Vielzahl von Erkrankungen wirken: Marienkäferlarven, die Blattläuse vertilgen, Schlupfwespen, die als Parasiten ihre Eier in Schadinsekten ablegen, oder Tagetes-Pflanzen, die zur Nematodenbekämpfung in Tomatenkulturen eingesetzt werden. Neben diesen mehr oder weniger bekannten Beispielen halte die Natur aber eine nahezu unendliche Anzahl weiterer Möglichkeiten bereit - man müsse sie nur finden.
Nutzpflanzen verdrängen Artenvielfalt
Demgegenüber stehe, sind die aid-Experten überzeugt, die weltweite Nutzung nur einiger weniger Sorten an Nutzpflanzen. Experten sprächen vom "genetical footprint" und meinen, dass über ganze Kontinente hinweg beispielsweise nur wenige Weizensorten verwendet werden. Die Vielfalt der Arten werde mehr und mehr zurückgedrängt - einhergehend mit der Gefahr der ungebremsten Ausbreitung von Pflanzenkrankheiten. Ende des zweiten Weltkrieges beispielsweise habe die Kraut- und Knollenfäule der Kartoffel zu immensen Ernteausfällen geführt. Noch heute seien diese und andere Krankheiten extrem schwierig zu bekämpfen, so dass dringend das antagonistische Potenzial existierender Arten genutzt werden müsse, um die Versorgung der Weltbevölkerung mit Nahrungsmitteln sicher stellen zu können. Effizientere, preiswertere und zielgerichtetere Lösungen steckten - so die aid-Wissenschaftler - in dem, was uns die Natur zu bieten habe. Was heute nutzlos erscheine, könne schon morgen von größtem Interesse sein. Hätte man nicht schon vor Jahrzehnten weltweit Genbanken eingerichtet, wäre womöglich schon heute ein großer Teil des Pools verloren, aus dem Wissenschaftler Lösungen zur Anpassung von Pflanzen an die Folgen
des Klimawandels ziehen können. Diese Anwendungsnotwendigkeit sei vor
Jahrzehnten genauso wenig vorhersagbar gewesen, wie heute bekannt sei, vor welchen Problemen die nächste Generation stehen werde. Deshalb sei es wichtig, heute so viele Arten wie möglich zu schützen - letztendlich, um die Art "Mensch" erhalten zu können.



