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Bio in Bewegung

(03.11.2008)

Zukunftskonferenz der Naturkostbranche in Berlin

Naturkosteinzelhändler, Großhändler, Hersteller, Erzeuger und Verbände der Biobranche trafen sich in Berlin, um auf einer großen Zukunftskonferenz gemeinsame Ideen und Visionen zur weiteren Förderung einer glaubwürdigen Bio-Produktion und -vermarktung zu entwickeln. Gastrednerin Renat Künast (Bündnis 90/Die Grünen) forderte die Branchenvertreter und Pioniere des Bio-Gedankens auf, die eigenen Werte und Ideale mit deutlich mehr Selbstbewusstsein wieder ins Zentrum der Vermarktung zu stellen.

"Bio-light" - das kann heute jeder, sogar die Discounter. Und das - so Künast - habe ja auch sein Gutes. Denn schließlich sei es ja die Vision der Branchenpioniere immer gewesen, Bio für alle zu schaffen. Jetzt, wo dieses Ziel tatsächlich ein Stück Wirklichkeit geworden ist, solle man sich jedoch nicht "die Butter vom Brot" nehmen lassen von Handelsorganisationen, die eben nicht den ernsthaften ethischen Wertehintergrund dieser Produkte verträten, sondern in erste Linie auf einer Welle, die sie gar nicht geschaffen haben, mitsurfen wollten. Hier sieht Künast die Bio-Branche gefordert, sich als das wahre Original unverwechselbar, authentisch und damit einzigartig glaubwürdig zu präsentieren. "Sie sind nicht die Nische, sondern die Avantgarde!", rief die ehemalige Bundesministerin für Umwelt, Landwirtschaft und Verbraucherschutz den Konferenzteilnehmern zu.

Besinnung auf die Quellen

In seinem Eröffnungsreferat der Konferenz thematisierte der Gründer und Inhaber der Auro Pflanzenfarben, Hersteller rein pflanzlicher Farben und Lacke, Dr. Hermann Fischer, die Bedeutung des Begriffs "Ressource". Das französische Wort für Quelle beschreibe den wahren Charakter eines tatsächlich nachhaltigen Rohstoffes, nämlich seine natürliche Kreislaufbasis. Nur Produkte aus Rohstoffen, die umweltverträglich zu gewinnen seien, quasi abfallfrei weiterverarbeitbar und unschädlich zu entsorgen oder zu recyclen seien, könnten mit Fug und Recht als "Öko- oder Bio-Produkte" bezeichnet werden.

Dr. Fischer beklagte, dass dagegen mittlerweile so mancher konventionelle Hersteller ein schamloses "Greenwashing" seiner Produkte kommunikativ betreibe, ohne die oft petrochemische Basis des Produktes wirklich zu ändern.

Gerade in diesem Punkt sei der kritische und konsequente Naturkostfachhändler gefordert, der mit seiner Kompetenz sein Sortiment verlässlich ökologisch gestalte und damit dem Verbraucher echte Orientierung im Bio-Vermarktungs-Dschungel gebe und echte von "Möchte-gern-Bio-Produkten" abgrenzen könne.

Wichtige Funktion der Anbauverbände

Die anwesenden Vertreter der großen ökologischen Anbauverbände "Bioland", Präsident Peter Dosch, und Demeter-Vorstand Klemens Fischer wiesen in dem Zusammenhang auf die "Leuchtturmfunktion" der Verbände hin. Mit Ihren "Bioland-" und "Demeter-Siegeln", die auf der Basis sehr strenger Anbaukriterien vergeben werden, garantierten sie eine nochmals wesentlich gesteigerte Rohstoff-, Erzeugungs- und damit Produktqualität.

Vom Ökoverächter zum Neo-Bio

In einem weiteren Beitrag beschrieb taz-Redakteur Peter Unfried seine persönliche "Bekehrung" vom ästhetisch-künstlerischen Ökoverächter zum jetzigen "Neo-Bio", der Spaß und Lust an ökologisch korrektem Konsumstil entwickle, ohne sich dafür zu kasteien. Abschließend las er aus seinem Buch "Öko: Al Gore, der neue Kühlschrank und ich", das in selbstironischer und unterhaltsamer Weise, diesen neuen Konsumententyp, als den sich Unfried selbst entdeckt, beschreibt.

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