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Verbraucher verbinden Genuss mit Gewissen

(20.09.2007)

Die neue Macht der Moral in der Wirtschaft

Der Fall der geplanten Übernahme der Bio-Kette "Basic" durch den Discounter "Lidl" zeigte deutlich, wo für Verbraucher die Grenzen liegen: Spontane Proteste der Kunden und vielfache enttäuschte Abkehr von der Einkaufsstätte waren die Reaktionen, die "Basic" ein vorläufiges Einlenken ratsam erschienen ließ. Die Märkte werden moralischer. Käufer und Konsumenten gewinnen einen Einfluss, dem sich die Produzenten von Gütern und Waren nicht entziehen können, sagt denn auch der Kulturwissenschaftler Nico Stehr im Interview mit der Wirtschaftswoche.

Jahrhundertelang hätten Ökonomen und die Kulturkritik ein Bild des Konsumenten gezeichnet, das nicht mehr der Realität entspreche. „In diesem Bild wird der Konsument als Opfer, als ohnmächtiger Akteur am Markt beschrieben, als ein schwaches Wesen, als Arbeitskraft und Produktionsfaktor, sei es bei Adam Smith, Karl Marx oder Jean Baudrillard“, so der Karl-Mannheim-Professor for Cultural Studies, Zeppelin University, Friedrichshafen.

Die Moral in der Ökonomie sei nicht neu, sondern dass dieser Trend vom Konsumenten gesteuert werde. Als Avantgarde macht Stehr die Grünen aus, „zunächst eine einflusslose Gruppe mit strickstrümpfigem Personal“. Heute seien die Außenseiter Mainstream. Dies gelte zum Beispiel für die Bevorzugung von Bio-Produkten. Stehr plädiert dafür, „Genuss und Gewissen“ miteinander zu verbinden. Die Globalisierung sei der Motor dieser Moralisierung: „So reichen die Produktionsketten von Waren, sei es Kaffee oder Spielzeug, weit nach Afrika, nach Mittel- und Südamerika und Asien hinein. Und beim Konsumenten wächst das Gefühl, für all das verantwortlich zu sein – und sein zu können.“
Mehr darüber im Interview mit der Wirtschaftswoche:

Wirtschaftswoche

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