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Ringen um neue EU-Ökoverordnung

(21.12.2006)

Verbände fürchten Verwässerung

EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer-Boel redet gerne von "Vereinfachung", wenn es um die gegenwärtig heftig diskutierte Neufassung der 15 Jahre alten Bioverordnung geht, die EU-weit die Regeln für den ökologischen Landbau und die daraus erzeugten Bio-Produkte regelt.

Drei Punkte dabei sind besonders strittig:

1.) Wie hoch darf eine unbeabsichtigte gentechnische Verunreinigung bei Bioprodukten sein?

Die Verbände drängen auf 0,1 %, gültig derzeit in Österreich und gleich der zur Zeit technisch gegebenen Nachweisgrenze. Die Agrarkommissarin dagegen will auch noch 0,9 % tolerieren, der Wert für konventionelle Produkte.


2.) Bewerbung von einzelnen Bio-Zutaten erlauben?

Die EU-Kommission will die Auslobung und Bewerbung einzelner Öko-Zutaten in einem ansonsten konventionellen Produkt erlauben. Die Verbände sind strikt dagegen, weil dies "Bio" entwerten und das Vertrauen der Verbraucher, das soeben erst unter anderem mit Hilfe des Bio-Siegels gewonnen wurde, in eine durchgängige verlässliche Bio-Qualität gleich wieder untergraben würde. Erneut würde der Verbraucher erst das Kleingedruckte auf der Packung lesen müssen, um ein "bißchen" Bio von echt Bio unterscheiden zu können.


3.) Die Ökobauern sollen weniger häufig und streng kontrolliert werden

Auch gegen diese Form der "Vereinfachung" laufen die Verbände Sturm. Bis jetzt muss ein Bio-Bauer genau Buch führen über Kauf und Einsatz von Futtermitteln, Dünger oder Tier-Medikamenten. Diese Bilanzen werden peinlich genau und regelmäßig von Zertifizierungsunternehmen geprüft. Fällt diese Buchführungspflicht mit Prüfung weg, wird Schlendrian und Betrug das Scheunentor geöffnet, fürchten die Öko-Anbau-Verbände. Seriöse Demeter- oder Biolandbauern würden dann von unseriösen Trittbrettfahrern, die nur auf den schnell Bio-EURO aus sind, womöglich diskreditiert.


Insgesamt haben die Ökolandbauverbände den Verdacht, dass es hauptsächlich darum gehe, "Bio" für die großen Lebensmittelketten und Discounter und die Lebensmittel-Multis besser verfügbar zu machen. Dagegen stellen die Verbände die Seriösität, Überzeugung und Konsequenz Ihrer Mitglieder, die sich nicht Wasser in den Wein gießen lassen möchten.

Die neue Öko-Verordnung soll 2009 in Kraft treten. Die EU-Agrarminister wollen im März 2007 die endgültige Fassung verabschieden.

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