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Land Hessen will Patente auf Pflanzen und Tiere zu verbieten
(25.03.2009)
BLÖLW und VÖL begrüßen diese Initiative gegen Gentechnik
Die hessische Landesregierung hat eine Bundesratsinitiative zum Verbot von Patenten auf Tiere und Pflanzen gestartet. Der Vorsitzendes des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft, Dr. Felix Prinz zu Löwenstein erklärte dazu: „Hier wird ein äußerst wichtiger Schritt unternommen, um der schleichenden Enteignung von Bauern und Saatzüchtern entgegen zu treten.“
Zu Löwenstein verwies darauf, dass in den letzten Monaten verstärkte Aktivitäten großer Konzerne zu beobachten seien, sich mit Patenten die Kontrolle über Rassen und Sorten zu verschaffen, die in der Landwirtschaft eine große Rolle spielen. So sei ein Patentantrag der Firma Monsanto auf Gene von Schweinen anhängig, die sich in ganz normalen Hausschwein-Rassen wieder finden. Ein weiteres Beispiel sei ein Patentantrag auf Broccoli-Gene.
„Es ist höchste Zeit, dass sich die Politik gegen die Biopatentrichtlinie der EU-Kommission in ihrer jetzigen Formulierung wendet, denn sie hat dem Patentmissbrauch Tür und Tor geöffnet!“ ergänzt Löwenstein. „Wir werden diese Initiative deshalb unterstützen, wo wir können.“
Löwenstein wies darauf hin, dass gentechnische Veränderungen von Pflanzen für denselben Zweck gebraucht werden: „Bauern und Züchtern wird die Verfügungsgewalt über ihr Saatgut entzogen. Die Forderung des hessischen Antrages muss sich deshalb auch auf das Patentieren von Gentechnik-Pflanzen erstrecken.“ Die ethischen und wirtschaftspolitischen Begründungen des Antrags seien völlig berechtigt, träfen aber für Gentechnik-Patente gleichermaßen zu.
Vereinigung Ökologischer Landbau unterstützt ebenfalls die hessische Initiative
Die Vereinigung Ökologischer Landbau in Hessen (VÖL) hat der neuen Landesregierung ihre volle Unterstützung bei ihrer Initiative zugesichert, die Patentierung von neu gezüchteten Tieren und Pflanzen zu verbieten.
Da es ein „Patent auf Leben“ aber grundsätzlich nicht geben könne, müsse dieses Verbot auch auf Lebewesen ausgedehnt werden, die mit gentechnischen Methoden erzeugt worden seinen. Bisher geht es der hessischen Landesregierung nur um die „klassische Züchtung.“ Es wäre jedoch konsequent, das Verbot für alle Züchtungsformen zu fordern.
Frieder Thomas, Sprecher der Vereinigung Ökologischer Landbau in Hessen, machte außerdem deutlich, dass die agrarische Vielfalt – um die es der hessischen Landesregierung berechtigterweise gehe – nicht allein durch die Patentierung von Lebewesen gefährdet ist: „Private Züchtungsunternehmen züchten vor allem solche Nutztiere und Kulturpflanzen, mit denen sie hohe Umsätze erzielen können. Selbst unsere wichtigsten einheimischen Eiweißfutterpflanzen wie Ackerbohnen oder Futtererbsen werden inzwischen völlig vernachlässigt. Statt von Züchtungsfortschritt muss man von Rückschritt sprechen.“
Wegen ihrer Fähigkeit, Stickstoff aus der Luft zu sammeln, sind diese Kulturpflanzen auch noch besonders klimafreundlich. In Deutschland hat jedoch nur noch ein einziger Züchter Körnerleguminosen im Programm. Im Hinblick auf den Klimawandel und die besonderen Züchtungsziele des ökologischen Landbaus sprach sich Thomas zum einen für eine verstärkte Unterstützung von landwirtschaftlichen Initiativen aus, die aufgrund dieser Rahmenbedingungen nun selbst aktiv werden. Zum anderen könne die Landesregierung Förderprogramme anbieten, die den Anbau und damit auch die Nachfrage von Saatgut von Körnerleguminosen unterstützen und zu 80% von EU und Bund finanziert werden.



