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Klimaschutz ja - aber bitte kostenlos
(21.12.2010)
St. Florians-Prinzip beim Umweltschutz
Klimawandel und Klimaschutz sind seit Jahren Themen, die in der öffentlichen Debatte für große Aufmerksamkeit sorgen. Am Ende bleibt meist die Frage: Wer soll das bezahlen? Wissenschaftler haben versucht die tatsächliche Zahlungsbereitschaft für den Klimaschutz zu untersuchen - mit frustrierendem Ergebnis:
Viele Befragte lehnten zum Beispiel höhere Umweltsteuern oder Einschnitte beim persönlichen Lebensstandard ab. Theoretisch sind die Menschen zwar bereit für den Klimaschutz zu zahlen, aber eben nur solange sie dafür kein real existierendes Geld auf einen real existierenden Tisch legen müssen. Zudem ist das Bild, das solche Studien zeichnen sehr uneinheitlich. Die gemessenen Werte für die Zahlungsbereitschaft zur Vermeidung einer Tonne CO2 reichen von 25 Euro bis hin zu knapp 500 Euro. Die Ergebnisse sind ernüchternd: Im Mittel betrug die Zahlungsbereitschaft für die Vermeidung einer Tonne CO2 knapp 12 Euro, der niedrigste bislang gemessene Wert. Sehr interessant - wenn auch frustrierend - ist zudem die Beobachtung, dass gut 60 Prozent der Teilnehmer eine Zahlungsbereitschaft von Null Euro aufwiesen. Das bedeutet, dass für eine substanzielle und kostspielige Klimaschutzpolitik letztlich keine Mehrheit existiert. Kein Wunder also, dass die Bereitschaft der Politiker, hier Maßstäbe zu setzen, man kann fast sagen Wähler auftragsgemäß, gen Nulle tendiert. Ein kleines Wunder also, dass sich die Vernunft bei der Weltklimakonferenz in Canún/Mexiko weitgehend durchsetzen konnte. Dies bedeutet letztlich auch ein Votum für die parlamentarische, repräsentative Demokratie im Vergleich zu basisdemokratischen Strukturen z.B. per ständigen Volksabstimmungen. Der berühmte "Mann auf der Straße" entwickelt offenbar keineswegs immer den nötigen Weitblick, um wichtige Zukunftsweichen zu stellen.
Umweltschutz schafft Arbeitsplätze
Was bedeutet das nun für die internationale Klimaschutzpolitik? Dazu Dr. Carsten Vogt, Wirtschaftsprofessor für Struktur- und Entwicklungspolitik an der Hochschule Bochum: "Wenn selbst in einem Land wie Deutschland die Zahlungsbereitschaft eher gering ist, wie soll dann Chinesen und Indern in einem Kyoto-Folgeabkommen die Übernahme kostspieliger Minderungspflichten zulasten von weiterem wirtschaftlichem Wachstum schmackhaft gemacht werden?" Die Einbindung wichtiger Schwellenländer wäre aber unverzichtbar, wenn es künftig gelingen soll, die weltweiten CO2-Emissionen spürbar zu reduzieren.
Eine Antwort liegt womöglich in der bahnbrechenden Erkenntnis, dass Umweltschutz nicht vor allem Kosten verursacht, sondern Kosten eindämmt. Dies gilt vor allem für Folgekosten von Fehlentwicklungen, wie z.B. Unwetterschäden oder Deichbau im Zuge der Klimaerwärmung. Aber auch das Arbeitsplatzargument, früher ein "Killer"-Argument der Arbeitgeberseite zur Vermeidung zusätzlicher Ausgaben für den Umweltschutz, hat sich bereits ins Gegenteil gekehrt. Heute ist in Deutschland bereits die Erkenntnis verbreitet, dass Umweltschutztechnik auch ein Exportschlager ist und Arbeitsplätze schafft. Auch und gerade für ein Hochtechnologieland, das auf gut ausgebildete hoch qualifizierte Arbeitskräfte angewiesen ist, erweist sich angewandter Umweltschutz neben der Infrastruktur als eindeutiger Standortvorteil. Welcher gut ausgebildete Ingenieur will schon sich und seiner Familie einen verschmutzten Lebensraum mit gesundheitlichen Gefährdungen zumuten?
Britta Klein, www.aid.de



