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Fehlernährung greift um sich

(24.09.2007)

Der Wandel der Essgewohnheiten führt zu Übergewicht und Mangelernährung

In einem ausführlichen Hintergrundbericht mit dem Titel"Tafelfreuden - das Essen an deutschen Schulen" stellen die Verbraucherzentralen fest: Der Wandel der Essgewohnheiten in deutschen Familien bedroht die Gesundheit der Kinder.

Die Essgewohnheiten in Deutschland sind im Wandel – so die Studie der Verbraucherzentralen. Wissenschaftler sprechen von „soziokulturellen Veränderungen“, wenn sie erklären, dass in vielen Familien kein gemeinsames Essen mehr stattfindet oder jedes vierte Kind ohne Frühstück zur Schule kommt. Wo noch gekocht werde, so die Verbraucherzentralen, komme statt frisch zubereiteten Mahlzeiten immer öfter Fertiglebensmittel auf den Tisch. Gleichzeitig griffen aber auch immer mehr Konsumenten zu Bio-Produkten. Frauen seien zunehmend berufstätig, was Einfluss auf die für das Essen verwendete Zeit habe. Disproportional zur Zunahme von Koch-Shows im Fernsehen, so möchte man meinen, sind laut Studie auch die meisten Männer nur unzureichend in der Lage zu kochen. Als Resultat steige, so die Verbraucherzentralen, der Trend zur Außer-Haus-Verpflegung. Während 1992 noch rund 18 Prozent der Deutschen mindestens einmal täglich außer Haus aßen, seien es 2002 bereits 26 Prozent gewesen. Tendenz in den Folgejahren weiter steigend. Unter den 12- bis 14-Jährigen sei der Anteil des täglichen Außer-Haus-Essens von 12 auf 19 Prozent gestiegen. Für viele Kinder und Jugendliche gehöre der „Außer-Haus-Verzehr“ in Kindergärten, Schulen aber
auch in Burger- und Imbiss-Ketten inzwischen zum Alltag.

Zufall oder nicht? Parallel zu diesen Trends steige, so das Hintergrundpapier, die Zahl der übergewichtigen Kinder: Inzwischen gelte jedes sechste Kind in Deutschland als übergewichtig.

Bereits 15 Prozent der Altersgruppe der Kinder und Jugendlichen von 3 bis 17 Jahren seien übergewichtig. Tendenz steigend: Im Vergleich zu 1985 hat sich allein der Anteil der adipösen, also schwer übergewichtigen Jugendlichen ab 14 Jahren nahezu verdreifacht und liege inzwischen bei über sechs Prozent. Dabei sei gerade diese Lebensphase wichtig für die Ausprägung des Gewichts sowie Gesundheitszustands im Erwachsenenalter. Wer bereits als Kind oder Jugendlicher übergewichtig sei, so die Studie, sei dies mit großer Wahrscheinlichkeit auch im Erwachsenalter: Bei übergewichtigen zehn- bis 13-Jährigen betrage die Wahrscheinlichkeit, auch als Erwachsene übergewichtig zu sein, mehr als 80 Prozent.

Als Hauptursachen für Übergewicht würden Bewegungsmangel (20 Prozent der männlichen und 15 Prozent der weiblichen 11-Jährigen sitzen mindestens vier Stunden am Tag vor dem Fernseher) und falsches Ernährungsverhalten (21 Prozent der 11-jährigen Jungen und 14 Prozent der gleichaltrigen Mädchen
essen täglich Kartoffelchips, etwa die Hälfte aller 11- bis 15-Jährigen essen täglich Süßigkeiten in Form von Bonbons oder Schokolade) gelten. Weitere Ursachen seien Ernährungs- und Erziehungsdefizite in der Familie und millionenschwere Werbekampagnen für zucker- und fetthaltige Kinderlebensmittel.

Chance: „Schule als Ort des Lebens und Lernens“

Aber auch die Schulen seien - so die Verbraucherzentralen - heute eher ein Teil des Problems: Häufig entspreche die Schulverpflegung nicht den Empfehlungen für eine gesunde Ernährung. Gleichzeitig finde hauswirtschaftlicher Unterricht mit den Themen Lebensmittel und Ernährung in den Lehrplänen und als Teil des Unterrichts in Schulen kaum statt.

Schulen seien „Orte des Lebens und Lernens“. Sie könnten familiäre Anstrengungen einer gesunden Entwicklung von Kindern und Jugendlichen unterstützen oder aber entsprechende Defizite kompensieren helfen. Länder, kommunale Schulträger und Schulen müssten die Chance ergreifen, durch Bildungsangebote sowie durch die Gestaltung eines gesundheitsfördernden Verpflegungsangebots in Schulen, dem gesamtgesellschaftlichen Negativ-Trend steigender Übergewichtsraten bei Kindern und Jugendlichen entgegenzuwirken.

Der geplante Ausbau der Ganztagsschulen biete laut Verbraucherzentralen die Gelegenheit, dem Thema gesunde Ernährung in Theorie und Praxis eine neue Dynamik zu verleihen.

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