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Bewusster essen
(21.11.2007)
Slow-Food-Bewegung in fast 100 Ländern präsent
Als Anti-McDonald´s-Reflex 1986 in Rom gestartet hat sich die Graswurzelbewegung gesunder und ökologischer Ernährung mittlerweile auf fast 100 Länder ausgeweitet. Die Retter der Esskultur treten ein für Vielfalt, Regionalität, handwerkliche Verarbeitung und Ressourcen schonende Erzeugung von Nahrungsmitteln.
Rund 100.000 Menschen haben sich mittlerweile weltweit in der Slow-Food-Bewegung organisiert und sich Aufklärungsarbeit wider das kulinarische Analphabetentum zur Aufgabe gemacht. Sie wollen das erhalten, was sie gerne essen.
Dabei geht es weniger um die oft übersteigerte Feinschmeckersucht nach besonderer Rafinesse. Vielmehr geht es um die solide Grundlage: Ursprüngliche, sorgfältig erzeugte und wenig oder zumindest äußerst schonend verarbeitete Basislebensmittel sind das Ziel.
Seit an Seit mit Bio
Auf diese Weise streitet die Bewegung zum Beispiel Seite an Seite mit den Bio-Bauern gegen die gentechnische Manipulation von Pflanzen, Pestizid- und Kunstdüngereinsatz.
Projekte wie alternative Einkaufsführer oder das Projekt "Essbarer Schulgarten" im Rahmen der Bundesgartenscha 2009 gehören dazu.
"Arche des Geschmacks" rettet bedrohte Lebensmittel
Sogar ein eingetragenes Warenzeichen hat Slow-Food hervorgebracht. Die „Arche des Geschmacks®“ ist ein internationales Projekt von Slow Food. Lokale und regionale Lebensmittel, Nutztier- und Nutzpflanzenarten, die unter den gegenwärtigen ökonomischen Bedingungen am Markt nicht bestehen können oder "aus der Mode gekommen sind", sollen durch die Arche-Kampagne vor dem Vergessen gerettet werden.
Passagiere der Arche des Geschmacks müssen eine strenge Aufnahmeprüfung bestehen. Sie besteht aus einer sorgfältigen Dokumentation, die von zwei unabhängigen Gutachtern bestätigt sein muss. Dabei muss nachgewiesen werden, dass
- die geschmackliche Qualität erstklassig ist,
- das Produkt eine lange Historie hat,
- es für die Region einen identitätsstiftenden Charakter und nachhaltiges Potential aufweist,
- und tatsächlich existenziell gefährdet ist.
Die "ahle Wurscht" aus Nordhessen war so ein Fall. 2004 wurde die bissfeste Wurst aus Schweinemet und Schweinespeck in die "Arche des Geschmacks" nach strengen Aufnahmeprüfungen aufgenommen. Hochwertige Zutaten und vor allem die natürliche Reifung machen den einzigartigen Geschmack der luftgetrockneten oder zusätzlich geräucherten Spezialität aus.
Und nicht zuletzt: gentechnisch Manipuliertes und nicht artgerechte Tierhaltung verhindern die Aufnahme in Arche des Geschmacks.
„Arche des Geschmacks®“ ist ein eingetragenes Warenzeichen von Slow Food International.
Erste Slow-Food-Messe in Deutschland
Als neueste Variante der Öffentlichkeitsarbeit für genussvolle Ernährung veranstaltete die Bewegung im Juni des Jahres erstmals eine Messe. Stuttgart wurde das Mekka der deutschen Fein- und Bewusst-Schmecker. Bio und Gourmet entdeckten sich da gegenseitig: "Wir treffen da auf eine ganz neue Klientel, die wir sonst mit Bioprodukten nicht erreichen", berichtet der Geschäftsführer von Demeter Baden-Württemberg.
Das Geheimnis guter Ernährung ist Zeit
Qualität hat einen ganz wesentlichen Faktor: Das ist Zeit. Der meiste Pfusch entsteht durch Zeit- und damit Kostenersparnis. Sodann definiert sich die Qualität von Lebensmitteln durch den ökologische Prozessablauf der Erzeugung und Verarbeitung, die Verankerung in der Region, die geschmacklichen und geruchlichen Eigenschaften und die ästhetische Erscheinung.
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