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Fairtrade und Bio:
(20.01.2010)
Fairtrade setzt auf Bio - langfristig
Zu Beginn des Fairen Handels spielten ökologische Kriterien eine untergeordnete Rolle. Der Schwerpunkt lag auf der Verbesserung der ökonomischen und sozialen Lebens- und Arbeitsbedingungen der Produzenten vor Ort. Heute misst Fairtrade im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung umweltverträglichen Produktionsweisen und ökologischem Anbau eine immer wichtigere Bedeutung zu.
Das Fairtrade-Siegel ist in erster Linie ein Sozialsiegel und kein Umweltsiegel. Dennoch wird mit den Umweltkriterien in den Fairtrade-Standards das Ziel verfolgt, sämtliche landwirtschaftlichen Fairtrade-Produkte ressourcenschonend und umweltverträglich anzubauen.
Fairtrade arbeitet daran, die Produzenten dort abzuholen, wo sie in ihrer Entwicklung gerade stehen und sie schnellstmöglich in das Fairtrade-System zu integrieren. Zu hohe Bio-Standards grenzen dabei aber gerade die ärmsten Produzentengruppen aus.
Warum sind Fairtrade-Produkte nicht von Anfang an „Bio“?
„Bio“ stellt sehr hohe Anforderungen an die Bodenbeschaffenheit und das unmittelbare Umfeld der Produktionsfläche; an die Art wie die Produkte produziert werden, an den Einsatz von Dünger, Unkraut- und Ungeziefer-Vertilgungsmittel sowie an die Ernte und Weiterverarbeitung der Produkte.
In der Umstellungsphase von konventioneller auf „Bio“-Produktion, die zwischen sechs Monaten und drei bis vier Jahre dauern kann, entsteht oft ein erheblicher Produktionsverlust. Dieser lässt sich selbst nach erfolgreicher Umstellung nicht immer ausgleichen.
Außerdem kann nicht jeder Produzent biologische Landwirtschaft betreiben:
Zum Beispiel dann nicht, wenn unmittelbar in seiner Nachbarschaft mit chemischen Pestiziden oder Herbiziden gearbeitet wird und die notwendige Pufferzone zwischen „Bio“ und „nicht Bio“ fehlt.
An eine Umstellung ist ebenfalls nicht zu denken, wenn der Boden ausgelaugt ist und eine langwierige Regenerationszeit nötig wäre, in der keine Produktion möglich ist.
Zudem muss für die Umstellung auf „Bio“ auch der nötige Absatz gewährleistet sein. Obwohl „Bio“-Produkte zunehmend in der Gunst der Kunden stehen, gibt es für die Kleinbauern in Afrika, Asien oder Lateinamerika oft große Hürden auf dem Weg zum „Bio“-Markt. Voraussetzungen sind, dass eine Lieferkette von Produzent zum Konsument aufgebaut wurde, Kosten und Preise in einem akzeptablen Verhältnis zueinander stehen, und ausreichend Nachfrage vorhanden ist.
Fest steht: Oft haben Fairtrade-Produzenten einfach nicht die Ressourcen, das Kapital, die Expertise und die Zeit um von Anfang an auf „Bio“ zu setzen. Würde der Faire Handel von Anfang an mit „Bio“ verknüpft, würden damit viele der ärmsten Bauern vom Fairen Handel ausgeschlossen. Deshalb verfolgt Fairtrade eine Strategie, die Produzenten bei der Umstellung auf nachhaltige Landwirtschaft fördert.
Wie unterstützt der Faire Handel die Produzenten bei der Umstellung auf biologischen Anbau
Zuerst informiert Fairtrade die Produzenten über das Marktpotential für Bio-zertifizierte Produkte.
Danach ist Fairtrade behilflich bei der Suche nach Information über den konkreten Umstellungsprozess auf „Bio“: Zum Beispiel bei den Anforderungen an die Produktion oder bei der Frage, wie lang die Umstellung auf „Bio“ dauern wird.
Dadurch, dass die Produzenten sich bereits an die Fairtrade-Umweltkriterien halten müssen, ist der Weg zum biologischen Anbau häufig nicht mehr ganz so weit. Unterstützt werden Sie dabei von Beratern, die von Fairtrade angestellt sind und den Produzenten dabei helfen die Umweltkriterien zu erfüllen und neue umweltschonende Produktionstechniken zu erlernen und zu verstehen.
Die Berater sind bei Fairtrade in der so genannten „PSR“ (Producer and Sercives Relations) organisiert und sind weltweit in allen 58 Fairtrade-Produzentenländern im Einsatz.



