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Entstehung des Schweinegrippe-Virus durch Massentierhaltung begünstigt

(11.09.2009)

Berufsverband Deutscher Internisten weist auf Gefahren durch Billig-Fleischproduktion hin

Die Entstehung von Influenza-Viren wie dem aktuell zirkulierenden H1N1 Influenza Virus, das gemeinhin als Schweinegrippe-Virus bezeichnet wird, scheint durch große Populationen von Tieren, wie sie in der Massentierhaltung vorkommen, erheblich erleichtert zu werden. Darauf weist Prof. Thomas Löscher vom Berufsverband Deutscher Internisten (BDI)hin.

„Seit den 1990er Jahren tauchten in US-amerikanischen Schweineherden verschiedene Subtypen eines Influenza-Virus auf, der aus Influenza-Viren von Schweinen, Vögeln und Menschen hervorgegangen war. Aktuelle Forschungen bestätigen, dass das H1N1-Virus aus einer Vermischung dieses Dreifach-Virus mit 2 weiteren bei Schweinen vorkommenden Influenza-Virus-Typen aus Nordamerika und Eurasien entstanden ist", berichtet Prof. Thomas Löscher vom Berufsverband Deutscher Internisten (BDI).

Forscher um Chiyu Zhang von der Jiangsu Universität in Zhenjiang, China, veröffentlichten dazu eine Studie in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Virus Genes. Aus der Genanalyse der verschiedenen Typen von Influenza-Viren schließen die Wissenschaftler, dass der neue H1N1-Typ vermutlich nicht erst vor kurzem entstanden ist. „Zu anderen Influenza-Viren gibt es im Genom deutliche Unterschiede, innerhalb des neuen H1N1-Typs ist das Genom jedoch sehr konstant", erklärt Prof. Löscher, der die Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin der Universität München leitet. „Neue Influenza-Virus-Typen können sich entwickeln, wenn ein Organismus zum Beispiel mit 2 verschiedenen Influenza-Viren gleichzeitig infiziert ist. Die genetische Information der beiden Typen, im Falle des Influenza-Virus sind dies RNA-Abschnitte, kann sich dabei vermischen, so dass ein neuer Typus mit neuen Eigenschaften entstehen kann",

Die Häufigkeit von Influenza-Infektionen nimmt mit der Dichte von Schweinen in der Massentierhaltung erheblich zu. Diese Erkenntnis wurde bereits in einer 1998 von der Europäischen Kommission in Auftrag gegebenen Studie gewonnen. „Von Schweinen weiß man, dass sie sowohl anfällig für Influenza-Viren bei Vögeln als auch für menschliche Virustypen sind. In großen Populationen von Tieren, die noch dazu engen Kontakt mit Menschen und im Falle einiger Mastbetriebe auch zu Hühnern haben, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Virustyp entwickelt, der auch den Menschen infiziert, nicht gering", erläutert der BDI-Experte. „Die chinesischen Forscher weisen zudem auf das potentielle Risiko hin dass sich das neue H1N1-Virus weiter mit anderen hochpathogenen Influenza-Viren vermischen könnte, wie etwa dem H5N1-Virus, dem Erreger der Vogelgrippe."

Forscher vermuten, dass der Vorläufer des aktuellen Schweinegrippe-Virus seit 1995 in US-amerikanischen Schweinefarmen zirkulierte. Im August 1998 kam es zu einem großen Influenza-Ausbruch in einem Mastbetrieb im US-Bundesstaat North Carolina. „Dieses Virus stellte bereits einen Hybriden aus Schweine-Virus und dem menschlichen Typus dar. Bis zum Ende des Jahres waren auch Komponenten des Vogel-Virus dazugekommen, so dass ein Dreifach-Hybrid entstanden war", erklärt Prof. Löscher.

In North Carolina gibt es mehr groß angelegte Mastbetriebe für Schweine als in anderen US-Bundesstaaten. Im Jahr 1998, als die Schweinegrippe zum ersten Mal zu Tage trat, hat die Schweinepopulation dort 10 Millionen erreicht, während sie 6 Jahre zuvor 2 Millionen betragen hatte. Gleichzeitig nahm die Anzahl der Betriebe stark ab, was zu einer drastischen Erhöhung der Population pro Farm führte. Während in den 1980er Jahren 85% aller Schweinefarmen weniger als 100 Tiere hatten, kontrollierten Ende der 90er Betriebe mit mehr als 1000 Tieren 99% der Schweinepopulation. „Die kostengünstige Produktion von Fleisch im industriellen Maßstab bringt möglicherweise wesentliche Risiken bezüglich der Verbreitung von Erkrankungen mit sich. Eine artgerechtere Haltung in kleineren Populationen würde die Gefahr der Entstehung und Ausbreitung neuer gefährlicher Influenza-Virus-Typen vermutlich deutlich verringern", erklärt Prof. Löscher. „Nicht zuletzt sollte sich auch der Verbraucher klar machen, welche Art der Tierhaltung er mit seiner Nachfrage nach immer billigerem Fleisch unterstützt."

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