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Betrug mit "Bio"-Geflügel
(16.01.2009)
Bioland: Kontrollen haben gegriffen
Die renommierte Bio-Geflügel-Zucht "Robert’s Bio-Geflügel" stellt ihren Betrieb ein, nachdem bei Kontrollen der staatlichen nordrhein-westfälischen Bio-Kontrollbehörde und der privaten Kontrollstelle ABCert die teilweise Verwendung konventionellen Futters aufgedeckt wurde. Der Öko-Erzeugerverband "Bioland" kündigte daraufhin den Vertrag. Der Betrieb ist jetzt für 2 Jahre gesperrt, eine Fortführung unwahrscheinlich
Der Geflügelhof wurde mit einem rückwirkenden Vermarktungsverbot belegt. Alle dort seit der letzten Kontrolle im Mai 2008 aufgezogenen Tiere wurden auf den Status "konventionell erzeugt" zurückgestuft. Inhaber Berthold Franzsander zog die Konsequenz und zieht sich aus dem Unternehmen zurück: "„Ich habe Fehler gemacht und es tut mir aufrichtig leid. Ich bitte hierfür um Entschuldigung. Für die Vorfälle trage ich die alleinige Verantwortung und werde mich dieser auch stellen. Als Konsequenz stelle ich die Geschäftstätigkeit der RoBert’s Bio-Geflügel GmbH & Co. KG zum 31.01.2009 ein."
Der Betrieb war Mitglied im Erzeugerverband Bioland. Der Verband zeigte sich befriedigt darüber, dass die Kontrollen offenbar wirksam sind.
In Konsequenz der Rückstufung der z.T. bereits ausgelieferten Produkte als "konventionell" wird alle Ware der Marke "RoBert´s" aus dem Handel zurückgerufen.
Kommentar
Unser Kommentar: Die Motive von Herrn Franzsander liegen im Dunkeln. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Warum jemand ein doch scheinbar gut etabliertes Geschäft durch betrügerische Machenschaften auf´s Spiel setzt bleibt rätselhaft. Die Marke "RoBert´s" ist damit verbrannt. Die Folgen hat leider nicht nur Herr Franzsander sondern haben auch seine Mitarbeiter zu tragen. Auch der Image-Schaden, den dieser Skandal für die Branche anrichtet, lässt sich leider nicht Herrn Franzsander in Rechnung stellen. "Bio" ist und bleibt nun einmal Vertrauenssache und jeder Vorfall, der dieses Vertrauen erschüttert, gefährdet den Markterfolg. Unangenehm ist diese Affaire auch für den Erzeugerverband "Bioland", dessen Siegel die Produkte von "RoBert´s" zierten. Nach noch ausstehender umfassender Aufklärung des Vorfalls muss der Verband prüfen, ob das Kontrollsystem in der bisherigen Form tatsächlich ausreicht. Zumindest die Tatsache eines rund 6-monatigen Zeitraums ohne Überprüfung und der Umstand, dass die Sache nicht bei der Überprüfung von "RoBert´s" sondern bei der Kontrolle eines konventionellen Futtermittellieferanten aufflog, macht stutzig. Dennoch: die sofortige heftige Kritik in Medien am Bio-Kontrollsystem, wie am Donnerstag, den 22.01.09 in der Berliner "tageszeitung (taz)", scheint überzogen. Gerade dieser Fall zeigt ja nun, dass das Kontrollsystem funktioniert - wenn auch nicht genügend zeitnah, um zu verhindern, dass falsch deklarierte Produkte massenhaft in den Handel kamen. Kein Kontrollsystem dieser Welt wird jemals komplett verhindern können, dass "Schwarze Schafe", Verrückte oder Verzweifelte meinen, die Kontrollen umgehen oder täuschen zu können. Solange solche Fälle jedoch zeitnah aufgedeckt werden und rasche Konsequenzen (in diesem Fall: sofortige Kündigung der Verträge seitens "Bioland", Rückruf der betroffenen Artikel aus dem Handel und Schließung des Betriebs) gezogen werden, ist getan worden, was getan werden konnte. Die Lehren aus dem Fall führen bei Behörden, Erzeugerverbänden und Kontrollunternehmen hoffentlich dazu, künftig für noch mehr "Bio-Sicherheit" sorgen zu können.



